Ein altes Handwerk

Das Spinnen mit der Handspindel eignet sich optimal, um nach einem hektischen Alltag einfach „abzuschalten“, in sich zu kehren und zu regenerieren.

Kleine Zappelphilippe und Zappelliesen

Kinder, die sich sonst nur schwer konzentrieren können, beschäftigen sich gerne mit dem Handspinnen. Viele von ihnen sind wahre Naturtalente, wenn es um Sachen Handwerk geht. Sie können nicht stillsitzen, weil sie etwas tun wollen. Passivität und Stillsitzen ist ihnen ein Gräuel. Mit einer Spindel in der Hand sitzen sie aber still, weil sie etwas tun. Ich arbeite sehr gerne mit solchen Kindern und staune immer wieder, wie sie selber entdecken, dass sie durchaus imstande sind, konzentriert zu arbeiten.

Grosses Zappelvolk

Zu diesem Schlag gehöre ich auch. Ein kreativer, ideenreicher Mensch zu sein, ist Fluch und Segen zugleich. Dauernd gewittern Ideenblitze durch den Kopf und selbst 10 Tage-Wochen mit 36-Stunden-Tagen wären zuwenig Zeit, um diese alle umzusetzen. Doch um die wesentlichen Projekte von der Idee in die Tat umzusetzen, schnappe ich mir gerne meine Handspindel und setze mich mit Bleistift und Notitzblock in eine Ecke. Dann kann ich zur Ruhe kommen, in mich gehen und mich wirklich konzentrieren. Dannn „spinn“ ich wahrsten Sinn des Wortes neue Fäden. Ich spinne und schreibe abwechslungsweise Notizen. Dann wird geplant und ausgeheckt was das Zeug hält.

Woher kommt der Ausdruck: „Spinnst Du?“

Tatsächlich ist diese eher negativ zu bewertende Aussage vom Spinnen abgeleitet. Doch warum? Woher hat diese Redensform ihren Ursprung.

Jemanden mit neuem Gedankengut nennt man schnell einmal einen „Spinner“. Er spinnt einen Gedanken, spinnt eine Idee weiter. Deutlicher formuliert, er verfolgt ein neues Ziel.

An den Museumsfesten oder anderen historischen Veranstaltungen, an welchen ich Handspinn-Workshops gebe, höre ich sicher zig mal von Besuchern den Spruch: „Wissen Sie, ich spinne auch“ Meist antworte ich nur lächelnd: „Aber nicht mit Werkzeug!“ und denke bei mir selber immer wieder: Zum Glück sind wir imstande, Ideen und Gedanken zu „spinnen“, sei dies in Gedanken oder eben mit Werkzeug.

Denn wer spinnt, zieht neue Fäden und hält sie in der Hand.

holla_3